feriencamps

Der Indoor Bikepark ist Geschichte

Nach drei Saisons verschwindet der Bikepark wieder aus dem Pfäffiker Industriegebiet. Geschäftsleiter Thomas Wildling ist der Aufwand zu gross geworden. Nachfolger Colin Schütz zieht mit einem neuen Konzept ein.

Er war einzigartig in der Region und wurde auch rege genutzt: der Indoor Bikepark (IBP) in Pfäffikon. Doch trotz drei erfolgreichen Saisons wird der Pumptrack anderen Anlagen Platz machen, weil der bisherige Geschäftsleiter Thomas Wildling keinen passenden Nachfolger fand. Neben seiner Schreinerei war ihm der Aufwand zu gross geworden. So übergibt er den IBP an den Fehraltorfer Colin Schütz, der mit BMX und Bikes aber nicht viel am Hut hat und deshalb ein neues Eventhallen-Konzept lanciert. Den BMX-Club Volketswil und auch das Schweizer Nationalkader treffen die Änderungen hart: Sie verlieren eine wichtige Trainingshalle für die Wintersaison.

Messen, Konzerte und Ausstelungen statt fliegende Biker in der Pfäffiker Industrie

Während Monaten war Thomas Wildling auf der Suche nach einem Nachfolger für die Leitung des Indoor Bike Parks. Da er erfolglos war, kommt nun «Plan B» zum Zug. Im Januar vor einem Jahr sei es ihm einfach zu viel geworden, sagt Thomas Wildling. Nach über eineinhalb Jahren konnte er seine Tätigkeit als Gescsihäftsleiter des Indoor Bikeparks (IBP) nicht mehr verantworten. «Ich führte gleichzeitig noch meine Schreinerei und hatte so eigentlich immer sieben-Tage-Wochen», sagt der 49-Jährige. Aus Rücksicht auf Gesundheit und Familie habe er sich dazu entschieden, einen Nachfolger zu suchen.

Doch die Suche gestaltete sich schwierig. «Ich habe viele Gespräche geführt, aber einfach keinen passenden Mieter, Pächter oder Partner gefunden», sagt Wildling. Der Knackpunkt seien meist die Finanzen gewesen – oder die Angst vor dem Sommer. «Viele fanden keine Lösung, wie sie die Sommerflaute überwinden sollten.»

Er habe auch Swiss Cycling oder den regelmässig im Bikepark trainierenden Volketswiler BMX Club angefragt – erfolglos. Diese widersprechen ihm allerdings: Sie seien nicht wirklich einbezogen worden (siehe unten). Wildling kontert und sagt, dass im September ein runder Tisch organisiert worden sei. «Zusätzlich war der Hinweis, dass der IBP einen Geschäftsführer sucht auf der Webseite aufgeschaltet und mit Plakaten angeschlagen.»
«PLAN B» STATT PUMPTRACK Jedenfalls entschieden sich Wildling und sein Investorenteam im März zu Plan B: Den Pumptrack abbauen und dafür eine grosse Eventhalle mit Bühnen schaffen.

Mit dem 44-jährigen Fehraltorfer Colin Schütz wird ein völlig neues Konzept Einzug halten: Da er zu wenig vom BMX-Sport versteht, will der neue Geschäftsleiter aus der Halle einen Ort für Kinder, Familien, Vereine und Firmen machen. Er habe dafür schon verschiedene Firmen mit speziellen Angeboten im Boot, sagt Schütz. Für konkrete Namen sei es allerdings noch zu früh.

Messen und Ausstellungen

Interessant sei sein Konzept, weil alles auf modularer Basis aufgebaut ist. «So können wir die Anlagen nach Bedarf schnell demontieren, etwa, um Platz für Konzerte, Messen oder Ausstellungen zu schaffen. Denn dafür ist die Halle genial geeignet», sagt Schütz.

Bedenken, dass ihm seine Aufgaben zu viel werden würden, hat Schütz keine. «Klar, es ist eine Herausforderung für mich. Aber ich habe es mir gut überlegt und den Schritt auch mit meiner Familie diskutiert.» Seine beiden Kinder seien mit 11 und 13 in einem selbständigen Alter – da könne er sich gut auf die Halle konzentrieren. «Ich will das anpacken.»

Den Umbau der Halle wird der gelernte Schreiner zusammen mit Thomas Wildling im Juni angehen. Schütz’ Ziel ist es, die Eventhalle kurz vor den Herbstferien eröffnen zu können. Und er freut sich: «Die Eventhalle wird mein Baby.»

Das sagen die Betroffenen

Marion Gwerder, Präsidentin des BMX Club Volketswil

Der BMX Club Volketswil wird von der Schliessung des Bikeparks hart getroffen. Die Clubmitglieder trainierten von November bis März bisher in Pfäffikon. Von der Schliessung hat Clubpräsidentin Marion Gwerder erst über die Anfrage des «regio» erfahren. «Es gab bereits seit zwei Jahren Gerüchte über eine Schliessung. Dass es jetzt tatsächlich so weit kommt, überrascht mich aber doch», sagt sie. Nun müsse sie die Clubmitglieder über die schlechten Nachrichten informieren, bevor es auch diese durch die Medien erfahren.

Die Suche nach einer neuen Lösung sei wohl aussichtslos: «Es existiert keine andere Halle, auf die wir ausweichen könnten.» Nun müsse man in den Wintermonaten auf Koordinations- und Ausdauertraining setzen, wie bereits vor der Eröffnung der Pfäffiker Halle. «Dadurch sind wir Schweizer Clubs im Vergleich zu den internationalen Clubs, die auch im Winter richtig trainieren können, weniger konkurrenzfähig.»

Thomas Peter, Technischer Direktor von Swiss Cycling

Thomas Peter bedauert die Schliessung des Indoor Bikeparks. «Das ist schade für den Sport, denn den Park haben viele benutzt – auch im Spass- und Freestylebereich.» Swiss Cycling sei zwar nicht ernsthaft von Thomas Wildling angefragt worden, es wäre aber ohnehin nicht in Frage gekommen, die Anlage selber zu betreiben, sagt Peter. «Wir können den Bau von Anlagen finanziell und mit unserem Knowhow unterstützen. Aber selbst operativ in Infrastrukturen tätig zu werden, ist für uns kein Thema.»

Als Mieter sei der Bikepark sehr interessant gewesen, das Frauen-Nationalkader habe regelmässig dort trainiert und die Swiss-Cycling-Athleten hätten die Anlage auch auf eigene Initiative als Trainingsort genutzt. Jetzt weiche man im Winter auf die neue BMX- und Pumptrackanlage im «Velodrome Suisse» in Grenchen oder ins Trainingslager nach Barcelona aus.

 

Bericht und Foto: Janko Skorup/regio.ch

Zeitungsbericht